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Projekte

Denkwerkstatt Mu­se­um

Projektskizze

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ist zu Recht als „heimliche Nationalgalerie" Deutsch­lands bezeichnet worden. Nicht nur wurden in dieser Sammlung nach dem Zweiten Weltkrieg hochrangige Werke der Moderne zusammengetragen, sie ist vielmehr einer der be­deu­tendsten Orte in Deutsch­land, wo – nach den Aktionen gegen „Entartete Kunst", in denen wäh­rend des Nationalsozialismus Werke der Moderne beinahe flächen­deckend aus den Museen entfernt worden waren – die in­ter­na­ti­o­na­le Kunst der Moderne überhaupt öffentlich präsentiert wird. Zugleich hat das Mu­se­um seine Sammlungstätigkeit auf diesem hohen Niveau bis in die Gegenwart fortsetzen kön­nen. Es kommt daher einer Verpflichtung gleich, Schü­ler­in­nen und Schülern – zumindest in NRW – diese Sammlung vorzustellen und ihnen Teilhabe an diesen kulturellen Schätzen zu ermöglichen. 

Die „Denkwerkstatt Mu­se­um“ eröffnet einen Raum, den drei Institutionen ge­mein­sam ge­stal­ten: die Uni­ver­si­tät, die Schule und das Mu­se­um. Alle drei sind einander Gastgeber, alle drei nehmen einander in die Pflicht. In der „Denkwerkstatt Mu­se­um“ loten Stu­die­ren­de und ih­re Dozent/innen, Schüler/innen und Lehrer/innen das Mu­se­um als Verhandlungsort über Kunst, kulturelle Erinnerung und Gegenwart aus. 

Seit dem Win­ter­se­mes­ter 2010/2011 haben mehrere Jahrgänge von Schü­ler­in­nen und Schülern der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe aus Dort­mund, Solingen und Recklinghausen an diesem Projekt teil­ge­nom­men.  Nach einer ge­mein­samen Einführung am Projekttag in Düsseldorf treffen sie die stu­den­tischen „Bilderbotschafter“ in der Ständigen Sammlung, sehen Gemälde und Skulpturen und lernen die Kunst des 20. Jahrhunderts kennen. Sie stellen ih­re Fragen an die Objekte, diskutieren die ver­schie­de­nen Wahrnehmungswege und Interpretationsansätze und verknüpfen die fachwissenschaftlichen Thesen der „Bilderbotschafter“ mit den Er­fah­run­gen ihrer Lebenswelt und den übergreifenden ge­sell­schaft­li­chen Diskursen. Nehmen Maler Bezug auf die Ereignisse der Geschichte? Kehren The­men mehr­fach und zu ver­schie­de­nen Zeiten wieder? Weshalb sind ehemals skandalöse Bilder dies heute in unserer Wahr­neh­mung nicht mehr? Können Kunstwerke Aus­wir­kungen auf andere Kunstwerke haben? Warum arbeiten Künstler bisweilen mit ähnlichen Techniken oder ändern manchmal plötzlich ihr Material? Wer bestimmt, was ein Gemälde ist? Müssen Bilder an der Wand hängen und wieso entstehen ungegenständliche Gemälde? 

Zukünftige Lehrerinnen und Lehrer und Stu­die­ren­de des Dort­mun­der Mas­ter­stu­dien­gangs Kulturanalyse und Kulturvermittlung erproben in diesem Projekt ih­re Ansätze der Erarbeitung von Fachwissenschaft, deren Versprachlichung und die Vermittlung der Inhalte an ih­re Zuhörer. Die Schü­ler­in­nen und Schüler als eventuelle zukünftige Stu­die­ren­de hingegen lernen die Methoden, Kontexte und Denkräume der Stu­die­ren­den und damit den Umgang mit Wissenschaftsthemen an der Uni­ver­si­tät kennen. Viele in den ver­gang­enen Jahren an den Umsetzungen des Projekts beteiligte Stu­die­ren­de sind inzwischen selbst Lehrerinnen und Lehrer für das Fach Kunst und kehren mit ihren Schü­ler­in­nen und Schülern als aktuelle Projektteilnehmende zurück. 

 

Konzeption: Prof. Dr. Barbara Welzel, Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der TU Dort­mund, und Dr. Heinz Udo Brenk, Heinrich-Heine-Gymnasium Dort­mund in Ko­ope­ra­ti­on mit Julia Hagenberg und Annika Plank, Abteilung Bildung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen


Leitung: Dr. Heinz Udo Brenk, Dr. Niklas Gliesmann (seit 2012 fe­der­füh­rend), Prof. Dr. Barbara Welzel, studentische Assistenz seit 2010: Nathalie Droegekamp, Christine Maerz, Franziska Neumann, Verena Wagner

»Denkwerkstatt Mu­se­um« – eine Publikation

Parallel zur Umsetzung der „Denkwerkstatt Mu­se­um“ im Win­ter­se­mes­ter 2014/2015 entstand als Projekt des Dort­mun­der Mas­ter­stu­dien­gangs Kulturanalyse und Kulturvermittlung eine gleichnamige Publikation. Die Stu­die­ren­den übertrugen die in der Projektumsetzung in Düsseldorf gesammelten eigenen Er­fah­run­gen in ih­re Texte, die das Arbeiten der Bilderbotschafter in der Denkwerkstatt vor dem Objekt, aber auch den Weg dorthin vorstellen, so dass Realisierungswege und Resultate des Projekts zugleich erkennbar wer­den. Überlegungen zur Geltung des Projekts für Bildungskontexte (Rosenberg,  Welzel), in der Museumspädagogik (Hagenberg) und in der Ergänzung zum Kunstunterricht an Gymnasien (Brenk) wer­den ebenso vorgestellt, wie die strukturellen Rah­men­be­ding­ung­en und didaktischen Mög­lich­keiten dieser Projektarbeit (Hübscher, Gliesmann). So wird auch im Buch die Legitimation außerschulischer Lernorte und das Ler­nen „in Echtzeit“ zwischen Schü­ler­in­nen und Schülern und den stu­den­tischen „Bilderbotschaftern“ sichtbar. 

Die Zu­sam­men­arbeit mit dem Buchgestalter und Fotografen, sowie die kritische Un­ter­su­chung bekannter kunst- und kulturgeschichtlicher Publikationen, ermöglichte es auch das entstehende Medium Buch auf Chancen und Hindernisse der Vermittlung zu befragen. Daran konn­ten das eigene Handeln und im Prozess entstehende Ideen gemessen wer­den. Es war mög­lich, die gestalterisch-kommunikativen Mög­lich­keiten von Bild- und Textsatz bei der Gestaltung von Printmedien, und deren Zu­sam­men­hän­ge zum öffentlichem Auftreten und vermittelter Botschaft ken­nen­zu­ler­nen. Das ermöglichte einen stark berufspraktischen und zukunfts­weisenden Blickwinkel der Masterstudierenden der Kulturanalyse und Kulturvermittlung im Hinblick auf spätere be­ruf­li­che Tä­tig­keits­fel­der.

 

Konzeption: Prof. Dr. Barbara Welzel und Dr. Niklas Gliesmann, Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der TU Dort­mund

Beteiligte Stu­die­ren­de: Natalie Çalkozan, Lea Hemker, Victoria Höchst, Sarah Hübner, Anna Kampe, Inga Michaelis, Eyleen Röbert, Lisa Sarachman, Ann Katrin Schulte, Mareike Wehner, Sina Ziegler

Mit Beiträgen von: Marion Ackermann, Heinz-Udo Brenk, Niklas Gliesmann, Julia Hagenberg, Sarah Hübscher, Pierre Rosenberg und Barbara Welzel

Gestaltung: Frank Georgy www.kopfsprung.de und Roland Baege www.rolandbaege.de 

Niklas Gliesmann/Barbara Welzel (Hg.): Denkwerkstatt Mu­se­um (Dort­mun­der Schriften zur Kunst. Studien zur Kunstgeschichte 6). Norderstedt 2015. ISBN 9783738632965. 10,00 Euro

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Anfahrt & Lageplan

Der Cam­pus der Technischen Uni­ver­si­tät Dort­mund liegt in der Nähe des Autobahnkreuzes Dort­mund West, wo die Sauerlandlinie A45 den Ruhrschnellweg B1/A40 kreuzt. Die Abfahrt Dort­mund-Eichlinghofen auf der A45 führt zum Cam­pus Süd, die Abfahrt Dort­mund-Dorstfeld auf der A40 zum Cam­pus-Nord. An beiden Ausfahrten ist die Uni­ver­si­tät ausgeschildert.

Direkt auf dem Cam­pus Nord befindet sich die S-Bahn-Station „Dort­mund Uni­ver­si­tät“. Von dort fährt die S-Bahn-Linie S1 im 20- oder 30-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof Dort­mund und in der Gegenrichtung zum Hauptbahnhof Düsseldorf über Bochum, Essen und Duisburg. Außerdem ist die Uni­ver­si­tät mit den Buslinien 445, 447 und 462 zu erreichen. Eine Fahrplanauskunft findet sich auf der Homepage des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, außerdem bieten die DSW21 einen interaktiven Liniennetzplan an.
 

Zu den Wahrzeichen der TU Dort­mund gehört die H-Bahn. Linie 1 verkehrt im 10-Minuten-Takt zwischen Dort­mund Eichlinghofen und dem Technologiezentrum über Cam­pus Süd und Dort­mund Uni­ver­si­tät S, Linie 2 pendelt im 5-Minuten-Takt zwischen Cam­pus Nord und Cam­pus Süd. Diese Strecke legt sie in zwei Minuten zurück.

Vom Flughafen Dort­mund aus gelangt man mit dem AirportExpress innerhalb von gut 20 Minuten zum Dort­mun­der Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn zur Uni­ver­si­tät. Ein größeres Angebot an inter­natio­nalen Flugverbindungen bietet der etwa 60 Ki­lo­me­ter entfernte Flughafen Düsseldorf, der direkt mit der S-Bahn vom Bahnhof der Uni­ver­si­tät zu erreichen ist.

Die Ein­rich­tun­gen der Technischen Uni­ver­si­tät Dort­mund verteilen sich auf den größeren Cam­pus Nord und den kleineren Cam­pus Süd. Zudem befinden sich einige Bereiche der Hoch­schu­le im angrenzenden Technologiepark. Genauere In­for­ma­ti­onen kön­nen Sie den Lageplänen entnehmen.